Archives mensuelles de décembre, 2012

– Aarbergerhus Ligerz

– Kunsthaus Aarau

– Rebhaus Wingreis bei Twann

– Galerie Esther Münger Burgdorf 
– «Zwischennutzung» Trimbach/Olten

– Galerie Wohnzimmer Biel

 

Bieler Tagblatt/Seeländer Bote, 2. März 1996 Tagblatt/Seeländer Bote, 2. März 1996

Biel von seiner charmanten Seite

«Das I der Lockerung» tituliert Daniel Salzmann seinen ungewöhnlichen Stadtrundgang. Die Installation des Kunstmalers und Wahlbielers ist in der Galerie «Wohnzimmer» zu sehen.

David Tucker

Biel hat Charme. Eine Behauptung, die so manchen Neuankömmling vor den Kopf stösst. Was bitte soll diese Stadt im Nebelmeer charmant machen? «Die Leuchtreklamen!» meint der Kunstmaler Daniel Salzmann. Eine Antwort, die begründet sein will. Dies tut Salzmann mit seiner Installation, die ab heute in der Bieler Galerie «Wohnzimmer» zu sehen ist. Zur Erinnerung: Das «Wohnzimmer» hat mit einer Galerie im herkömmlichen Sinn nur wenig zu schaffen. Die jeweiligen Kunstschaffenden setzen sich mit einer inszenierten «guten Stube» auseinander, die alltäglicher nicht sein könnte. So auch Salzmann: Sein Eingriff in den seriellen Charakter unserer Innenwelt besteht lediglich aus Diaprojektor und Drehmechanismus. Über Polstergruppe, Wohnwand und Gummibaum lässt er die Bilder streichen, wellen und verzerrt wieder verschwinden; die Bilder unserer alltäglichen Aussenwelt: die Bieler Leuchtreklamen.

Schnipsel der Erinnerung
Seinen «verführerischen» Stadtrundgang versteht Salzmann als «Recherche du temps perdus». In dieser Stadt ist er einst geboren, seine Suche gilt den unbewusst verinnerlichten Bildern. An dieser Suche hat auch der Betrachter teil: Campari und Mido werden losgelöst von den Produkten zu Schnipseln der Erinnerung, Leuchtbuchstabe und Logo zu Memorykarten im Spiel des Wiedererkennens. Zweckentfremdet wandern die Schriftzüge durch den intimen Raum, und der Betrachter mit ihnen durch die Jahrzehnte. Vieles, was da angepriesen wird, gibt es längst nicht mehr zu kaufen. Salzmanns Rundgang durch Biel zeigt vermeintlich bekannte, oft nostalgische Bilder und weckt vielleicht auch Sehnsüchte. Er macht eine subtile Bestandesaufnahme von Emotionen, lässt einen – dem nüchternen Blick des Denkmalschutzes zum Trotz – das schräg an der Fassade hängende F, das von Spalten überzogene M über den Dächern als Chiffre Biels erkennen.

 

– Galerie Susanne Kulli Bern

Daniel Salzmann – Summer Diary – Galerie Susanne Kulli, Bern 1995

Eine zeitlich beschränkte, einmalige Arbeitssituation steht hinter der Ausstellung Summer Diary von Daniel Salzmann. Der seit 1993 in Biel lebende und arbeitende Künstler hatte die Gelegenheit, im Zentrum von Biel für ein paar Monate eine grosse, ausserordentlich helle Fabrikhalle zu mieten, und entschloss sich, die begrenzte Zeitspanne mit einer geschlossenen Arbeit gewissermassen zu ‘dokumentieren’. Der Aspekt des Tagebuchs ist indes nicht in wörtlichem, literarischem Sinn zu verstehen, sondern spielt allenfalls assoziativ mit der romantischen Praxis, äussere Eindrücke und innere Stimmungen wahzunehmen und aufzuzeichnen.

In zwei grundsätzlich selbständigen Werkgruppen reflektiert Daniel Salzmann den Ateliersommer 1995. Eine Reihe kleinformatiger Bilder enthält die thematische und künstlerische Idee der ganzen Arbeit im Kern. Sie sind in verschiedenen Techniken (Bleistift, Kohle, Pastell, Acryl, Collage) gearbeitet und zeigen Gegenstände, die der unmittelbaren, in keiner Weise artifiziell gestellten Alltäglichkeit des neuen Arbeitsorts und dessen Umgebung entstammen: Gefässe, Gemüse, Blüten, Zeitungsausschnitte, Dachsilhouetten, Autos, Einladungskarten usw. In ihrer kleinteiligen, erzählerischen Bildsprache erweckt diese ‘peinture de marché’ entfernt den Eindruck eines Tagebuchs, einer Serie Bilder, die jeden Tag ein bestimmtes Objekt, einen Ausblick oder eine Stimmung festhalten. Auf den ersten Blick erscheinen die Bilder in zufälliger, loser Verbindung zu stehen; bei näherer Betrachtung zeigt sich aber klar ein konsequentes formales Konzept. Zunächst springt die Entwicklung von Hell zu Dunkel ins Auge. In den ersten Bildern dominiert die mit Kohle oder schwarzem Stift gezeichnete Linie gegenüber der hellen Leinwand und den aufgeklebten Papieren. Es folgt eine Zone mit farbigen Bildern, in welchen die Zeichnung weitgehend zurückgenommen ist zugunsten malerischer Flecken und Tonwerte. Gegen Ende der Reihe setzen sich ein dunkles Blau, Schwarz und Grau immer stärker durch: die nahezu monochromen Bilder tendieren trotz des kleinen Formats zu Monumentalität; die Zeichnung erscheint wieder, diesmal jedoch als feines, weisses, in die feuchte Farbe geritztes Liniengeflecht.

Mit der zweiten Werkgruppe – vier grossen einzelnen Acrylbildern und einem Diptychon – knüpft Daniel Salzmann an die kleinen Formate an, unterdrückt aber durch den Verzicht auf anekdotische Elemente deren narrativen Charakter und verdichtet Sommereindrücke zu rein malerischen, gestisch-expressiven Landschafts-Tableaux. Die bereits in den Tagebuch-Bildern immer wieder aufblitzende Farbe Gelb wird hier in reicher Schattierung von hellem, gleissendem Neapelgelb bis hin zu Orange- und Sienabraun zur Protagonistin: die Gegenständlichkeit und konkrete Räumlichkeit von am Anfang der Bildidee stehenden realen Situationen wie sonnenbeschienene Flecken Erde aus ockerfarbigem Jura-Mergel im Wechsel von Tageszeit und Witterung ist völlig reduziert und gestiegert zu abstrakten Farbräumen von geballter Energie und Wärme. Eine dunkelblaue, nächtlich-kühle Seeszenerien evozierende Leinwand spannt – wiederum analog zur formalen Entwicklung der kleinen Bilder – den Bogen zum anderen Ende der Farb- und Stimmungsskala.

In Summer diary zeigt Daniel Salzmann Impressionen des Ateliersommers 1995, einmal vor dem vergänglichen Hintergrund alltäglicher Umstände und Zufälle, sozusagen im Rhythmus des Minutenanzeigers; einmal in Form malerisch stark verarbeiteter Stimmungslandschaften im Spiegel des langsamen Wechsels von Tages- und Jahreszeit.

Katrin Künzi

 

– Galerie b Aarau
– AKI Foyer für Studierende Zürich

– Galerie zur Matze Brig
– Galerie Ringmauer Murten

– Galerie Esther Münger Burgdorf 
– Loeb Galerie Bern

– Kulturpanorama Luzern

Vaterland, 27.8.1991

«Im Rahmen einer GSMBA-Austauschausstellung gastieren vier Künstler der Fabrik Burgdorf bis zum 4. September im Kulturpanorama Luzern, während vier Vertreter aus der Innerschweiz zur selben Zeit in Burgdorf die Installation ‘Burgenbruch’ zeigen. Die Idee des Künstleraustausches unter verschiedenen Sektionen besitzt bei der GSMBA Tradition. Das Positive daran ist, dass man über die eigenen Grenzen schauen kann und manchmal mit Künstlern in Kontakt kommt, die – aus welchen Gründen auch immer – zu Unrecht ein regionales Mauerblümchendasein fristen. (…) Gelungener ist hingegen die Einrichtung im Keller. Salzmann entfaltete auf einer Wand 21 bumerangförmige Holzteile, auf denen schnell hingeworfene Skizzen sichtbar sind. Einem aufgelegten Text ist zu entnehmen, dass der Künstler, fasziniert von der Aura des Bahnfahrens, diese Holzteile als Unterlage benutzte, um darauf die ‘vorbeidonnernde Gegend’ festzuhaten.»

Luzerner Nachrichten, 27.8.1991

«Das Thema ‘Raumwechsel’ hat der 1955 geborene Maler Daniel Salzmann auch im Sinne von Ortswechsel interpretiert. Auf langen Zugsfahrten begann er zu zeichnen und zu malen. Zu einem Schlüsselerlebnis wurde sein Mitfahren in der Kabine eines Lokomotivführers; bei diesen hohen Geschwindigkeiten kann Wasser von oben beispielsweise zum explosionsartigen Erlebnis werden. Innen- und Aussenräume bei Tag und Nacht, Bewegungsabläufe, Notizen und Zitate flossen ein in seine Aquarelle. Gemalt hat Salzmann seine Eindrücke auf vier grossflächige Leinwände in Acryl und auf 21 schmetterlingsförmige Bumerangs in Aquarell und Blei; der Schmetterling wird so leicht zum Schmetterding. Der Bumerang beschreibt bei seinem Raumwechsel ein Oval, einen Kreis.»