– Berner Galerie Bern

Daniel Salzmann, Berner Galerie, Rathausgasse 22, 5. bis 28. Februar 1991

Daniel Salzmanns (*1955, lebt und arbeitet in Burgdorf) neuste Arbeiten fügen sich nahtlos in sein bisheriges Schaffen ein. Wie schon früher steht der Mensch im Mittelpunkt der brachialen, archaischen Bilder. In einer existenziellen motivischen Tradition, die in hohem Masse den Arbeiten von Francis Bacon nahesteht, bewältigt Salzmann malend die Höhen und Tiefen menschlichen Seins. Liebe und Hass, Geburt und Tod, Freude und Schrecken, Ruhe und Zerrissenheit, ätherische Klarheit und brodelnde Dynamik verdichten sich in der taktilen, zwischen flachem unstrukturiertem Hintergrund und ätherischem Vordergrund pendelnden Malweise zu einem spannungsvollen Dialog. Nichts scheint den Künstler so zu interessieren, wie die Polarisierung dieser Gefühle und Gedanken zu visualisieren.

Salzmanns Bildern liegt kein Konzept und kein Ideal zugrunde, sondern die Sehnsucht nach reinster Malerei, wie sie nicht reiner sein könnte. Seine Bilder sind nicht erklärungsbedürftig im Kontext eines paradigmatischen Weltbildes. Sie beziehen ihre urwüchsige Kraft aus der puren Existenz, aus der Wahrnehmung, die ihnen entgegengebracht wird. Eisig kaltes Blau wird einem sparsam eingesetzten, glühend feurigen Rot gegenübergestellt und aus einer undurchdringleichen, konturlosen Fläche schält sich andeutungsweise eine dämonenhafte Fratze, eine mehr geahnte als erkannte Figur heraus.

Immer wieder meint man in den Bildern den Maler selbst erkennen zu können. Dieser Figur des Malers eignet immer ein tragischer Charakter. Mal Hofnarr, mal in die Ecke gedrängter, zusammengekrümmter, ängstlicher, nackter Mensch. Der Maler erschient bei Salzmann als Figur, die in einer Gesellschaft lebt, die ihn mehr missachtet denn beachtet, die ihn in den Galerien und Ateliers ghettoisiert und ihm in den meisten Fällen ihre Anerkennung versagt.

Die Arbeiten von Daniel Salzmann beschäftigen sich im eigentlichen Sinn mit Ahnungen. Ahnungen, die unserer positivistischen Erkenntnissehnsucht diametral entgegenlaufen. Die ungemein intensiven Bilder entstehen im Wissen, dass der Menschheit, obwohl sie seit Jahrtausenden danach strebt, die universale Erkenntnis verwehrt bleiben wird und dass immer mehr Phänomene existieren, die sie nicht zu erklären vermag und die die Menschen deshalb immer beunruhigen werden.

Christoph Doswald
Baden, im Januar 1991

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